Soziologie Des Risikos by Niklas Luhmann

By Niklas Luhmann

In seiner Soziologie des Risikos entwickelt Niklas Luhmann ein theoretisches Programm für die soziologische Forschung und geht davon aus, dass der Begriff des Risikos wesentliche Aspekte der Zukunftsbeschreibung der heutigen Gesellschaft in die Gegenwart projiziert. Risiko ist danach die Möglichkeit der Auflösung unerwarteter, unwahrscheinlicher schädlicher Folgen durch eine Entscheidung, die einem Entscheider zugerechnet werden kann. Die Prominenz des Themas Risiko hat es daher wesentlich mit der Annahme zu tun, dass unsere Zukunft von gegenwärtig zu treffenden Entscheidungen abhängt. Die einzelnen Kapitel des Buches zeigen, wie sehr und wie verschieden die Funktionssysteme der modernen Gesellschaft, wie Politik, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, auf die ihnen zugemuteten Risikolagen reagieren und wie sich daraufhin eine allgemeine competition derjenigen bildet, die an der Entscheidung nicht beteiligt sind, aber deren etwaige Folgen zu tragen haben.

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IV. Zum Abschluß dieses Kapitels muiS noch ein Blick auf das Problem der Prävention geworfen werden, das in einer genauer zu bestimmenden Weise zwischen Entscheidung und Risiko vermittelt. Unter Prävention soll hier ganz allgemein Vorbereitung auf unsichere künftige Schäden verstanden werden, sei es daß die Eintrittswahrscheinlichkeit, sei es dai3 die Höhe des Schadens verringert wird. Prävention mag also sowohl im Falle von Gefahr als auch im Falle von Risiko praktiziert werden. Auch für Gefahren, die man nicht auf eigenes Entscheiden zurechnen kann, mag man sich wappnen.

Risk: Man-made Hazards to Man, Oxford 1985, S. 8 - 17. 31 Will man aber beobachten, wie die rationalistische Tradition beobachtet, muß man sich von ihrem Problemverständnis lösen. Man rnuß ihr ihr Problem lassen, aber Verständnis dafür aufbringen, daß sie nicht sehen kann, was sie nicht sehen kann. Man muß die Theorie auf die Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung verlagern. Das aber stellt Ansprüche an die Begriffsbildung, von denen weder der interdisziplinäre Diskussionskontext noch die Wort- und Begriffsgeschichte eine zureichende Vorstellung vermitteln.

Denn es ist nicht damit getan, die Problematik mit der Abschlußformel „Relativismus" oder „Historismus" zu versiegeln. Vielmehr sollten wir, wenn schon nicht das Phänomen Zeit einheitlich beschrieben werden kann, wenigstens Klarheit zu gewinnen versuchen über die Genetik von Zeit. Daß verschiedene Gesellschaften verschiedene Zeitmodelle bzw. verschiedene räumliche Metaphern für Zeit verwenden, ist vor allem am Unterschied von linearen und zyklischen Zeitvorstellungen diskutiert worden. Alle Versuche, ganze Kulturen dem einen bzw.

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