Patientenwelten: Krankheit und Medizin vom späten 18. bis by Jens Lachmund

By Jens Lachmund

Dieses Buch geht auf ein Forschungsprojekt zuruck, das an der Universitat Bielefeld angesiedelt struggle und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wurde. Thomas Rosemann warfare in der ersten section und Hanna Beneker in der darauffolgenden Zeit an der Projektarbeit beteiligt. Das Buch hat auch von vielen kritischen Anregungen und praktischen Hinweisen profi tiert, mit denen Kollegen und Freunde unsere Arbeit begleiteten. Eine erste Fassung des Manuskripts hat Gerd Gockenjan (Bremen) ausfuhrlich mit uns diskutiert. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Jens LachmundlGunnar Stollberg eight Einleitung Die Zeit zwischen dem ausgehenden 18. und dem fruhen 20. Jahrhundert battle eine Schlusselperiode fur die Herausbildung der modernen Medizin. Zum einen befanden sich die Handlungsgrundlagen der Arzteschaft im Umbruch: Krankheitskonzepte und Behandlungsweisen, die sich zum Teil bis in die Antike zuruckverfolgen lassen, wurden durch ein zunehmend komplexeres Expertenwissen ersetzt, das aus der Forschung in Kliniken und Laboratorien hervorging. Zum anderen konnte sich die medizinische career als zentrale Instanz der Krankenversorgung etablieren: die Verdrangung bzw. Unterord nung konkurrierender Heilberufe (z. B. Wundarzte, Bader, Hebammen), die quantitative enlargement und der soziale Prestigegewinn der Arzteschaft, das Entstehen neuer Institutionen wie des Krankenhauses und des Kassenarzte- all dies trug dazu bei, dass immer grossere Bevolkerungskreise im Krankheits fall eine medizinische Versorgung in Anspruch nahme

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Die Alteration meines Vaters ... war groß, und wohl mochte sie, da sie ihn bei Tische traf, die Ursache sein, daß seine Anlage zum Schlagfluß, die er vermöge seiner körperlichen Constitution hatte und durch seinen Mangel an Bewegung pflegte, plötzlich eine Katastrophe herbei- 32 führte. Am andern Morgen ... ). Auch mit der Trauer über den Tod eines nahen Angehörigen oder Freundes werden Krankheiten erklärt. Über den Tod des Barons von Huldenberg, der 1777 stirbt und eine Witwe und zehn Kinder hinterläßt, schreibt der sächsische pfarrer Reichei: "Der Schmerz über diesen Trauerfall griff mich so an, daß selbst meine Gesundheit dadurch geschwächt wurde" (1797, 111).

In der Umgebung herrschten damals hitzige Epidemien" erinnert sich die Schriftstellerin Charlotte von Kalb an eine Reise in den 1780er Jahren. "Die Frauen, so mich begleitet, des Klima's und der Lebensart nicht gewöhnt, erkrankten Beide" (Kalb 1879, 153). Ein alternatives Erklärungsmodell: "Ansteckung" In der Tradition spätmittelalterlichen Umgangs mit Pest und Lepra sowie der Theorien Fracostoros und anderer Ärzte der Renaissance über die kontagiöse Verbreitung der Syphilis kennt man auch im späten 18.

In anderen Fällen richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Gemütszustand des Kranken. Der Schriftsteller und Altertumskundler Moritz erklärt eine Krankheit seiner autobiographischen Figur Anton Reiser unter anderem mit "unnatürlicher Überspannung seiner Seelenkräfte" (1972, 76). Der Göttinger Juraprofessor Pütter glaubt, daß Erfolglosigkeit im Fortgang der Geschäfte einen Einfluß auf die sich verschlechternden Gesundheitsumstände eines Bekannten gehabt haben dürfte (1798, 447). , 111227). Auch der "Schreck" über ein plötzliches unerwartetes Ereignis wird manchmal als Krankheitsursache angeführt: Regula Engel von Langwies, Frau eines napoleonischen Offiziers, weiß aus ihrer Kindheit von der Begegnung mit einem Kapuzinermönch zu berichten, dessen Aussehen ihr einen solchen Schreck einjagte, daß sie "unter einem nicht geringen Fieber-Anfall" in einen nahegelegenen Gasthof gebracht werden mußte (1825, 21).

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