Marx Global: Zur Entwicklung des Internationalen by Jan Hoff

By Jan Hoff

In seiner Studie zeigt Jan Hoff, dass im Zuge der theoretischen Entdogmatisierung des Marxismus seit Mitte der 60er Jahre ebenso vielfältige wie fruchtbare Marx-Interpretationen und eine an der Marxschen Ökonomiekritik orientierte kritische Gesellschaftstheorie in zahlreichen Ländern der Welt ungeahnten Auftrieb erhielten. Insbesondere die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Entwürfen zum "Kapital" hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten beständig weiterentwickelt. In der Arbeit wird diese Globalisierung der Marx-Debatte, das komplexe Geflecht internationaler Theoriebezüge im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik, des Theorietransfers und der Herausbildung von Denkschulen über nationale und sprachliche Grenzen hinweg untersucht. Sie bricht mit dem theoretischen Provinzialismus insbesondere der deutschen Marx-Diskussion, der sich bislang hartnäckig halten konnte. Der Autor gibt einen Überblick über die Marx-Rezeption in verschiedenen Weltregionen, wobei die außereuropäische Theoriebildung – etwa die facettenreiche Marx-Debatte in Japan – besondere Aufmerksamkeit erfährt. Der Marxismus im Sinne einer umfassenden Weltanschauung ist inzwischen historisch überwunden. Doch der Marxsche Theorienansatz, den inneren Zusammenhang der ökonomischen Kategorien und Verhältnisse zu explizieren und dabei mit einer kritischen Fetischismus- und Mystifikationstheorie eine "Entzauberung" der "verkehrten Welt" der Ökonomie zu leisten, ist nach wie vor von Aktualität und theoretischer Bedeutung.

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Bisweilen nahm der Hegelbezug nun vergleichsweise positivere Züge an. Die ideologische Atmosphäre des Spätstalinismus wird durch eine allein schon im Hinblick auf die Diktion schauderhafte Passage aus einem Buch des sowjetischen Philosophen Mark M. Rosental deutlich, das erstmals 1955 in russischer Sprache erschienen ist. Hier polemisiert Rosental gegen die Theorieströmung des sowjetischen MarxInterpreten Isaak Iljitsch Rubin, der zu den bedeutendsten an Marx orientierten Denkern der Zwischenkriegszeit gehört hatte und während der großen „Säuberungen" der 30er Jahre ermordet worden war: „Die Rubin-Anhänger und die menschewisierenden Idealisten, die in den 20er und 30er Jahren auf dem Gebiete der Ökonomie und Philosophie ihr Wesen trieben, haben eine ganze Menge über die ,Dialektik des Kapitals' geschrieben, aber sie behandelten die revolutionäre Methode von Marx im Geiste des Hegelianertums, sie machten daraus ein scholastisches Begriffsspiel, ein kompliziertes System von Klügeleien und Spitzfindigkeiten, die von der Wissenschaft himmelweit entfernt waren.

486. Dabei war das Studium des Kapital von Bedeutung. Wolfgang Fritz Haug, der Herausgeber des Arguments, insistierte 1972 auf dem vermeintlichen inneren Zusammenhang zwischen der Kritik der politischen Ökonomie und dem Marxschen Sozialismus. Siehe Wolfgang Fritz Haug, Die Bedeutung von Standpunkt und sozialistischer Perspektive für die Kritik der politischen Ökonomie, in: Das Argument 74 (1972), S. 56Iff. 38 Siehe Lucio Colletti, A Political and Philosophical Interview, in: New Left Review 86 (1974), S.

69f. Zu Krahl siehe auch Helmut Reinicke, Für Krahl, Berlin/West 1973. 34 Hans-Georg Backhaus, Zuvor: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre, in: Hans-Georg Backhaus, Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik, Freiburg/Br. 1997, S. 31. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Backhaus nicht ohne jede Kritik auf Krahl zurückblickt. Der Titel des berühmten Krahlschen Aufsatzes Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse (HansJürgen Krahl, Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse, in: Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf.

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