Deutsche Einheit by Robert Grünbaum M.A. (auth.)

By Robert Grünbaum M.A. (auth.)

In diesem Buch wird eine systematische examine des Vereinigungsprozesses geboten. Neben den Zeitgeschichtlichen Voraussetzungen seit dem Ende des zweiten Weltkriegs und den Hauptentwicklungslinien der Revolution in der DDR stehen vor allem der innen- und außenpolitische Weg zur deutschen Einheit im Mittelpunkt. Diskutiert werden darüber hinaus der Verlauf, Die Probleme und die Perspektiven des inneren Einigungsprozesses.

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Je länger die SED an ihrer starren Haltung festhielt, desto mehr verwandelten sich die Forderungen nach Erneuerung in Proteste gegen das sozialistische System als solches. Wie viele DDR-Bürger haben im Herbst 1989 tatsächlich demonstriert? Je nach Quelle schwanken die Angaben beträchtlich. Die bekannten Teilnehmerzahlen basieren auf Schätzungen. Sind die Angaben realistisch? Die Leipziger Sozialwissenschaftler Karl-Dieter Opp und Peter Voß gehen diesen Fragen am Beispiel der großen Leipziger Demonstration vom 9.

Weitete sich bis zum April1990 auf insgesamt fast 3000 Demonstrationen, Kundgebungen und Protestaktionen aus. [. ] [Es] wird deutlich, daß zwar in vielen Orten des Landes protestiert wurde, beileibe aber nicht in allen. Das Statistische Jahrbuch der DDR von 1989 weist insgesamt 7563 Gemeinden, davon 649 mit über 3000 Einwohnern aus. Demonstrationen, Kundgebungen und Protestaktionen fanden jedoch ,nur' in 511 verschiedenen Orten statt! Und auch dort waren kaum alle Bürger auf der Straße. Es wäre also falsch, davon auszugehen, daß im Herbst '89 die ganze Bevölkerung der DDR auf den Beinen war.

Daneben wurde aber auch in den Wahlkommissionen gefälscht. Dies geschah zunehmend ab Mitte der achtziger Jahre, nachdem oppositionelle Kreise damit begonnen hatten, die Auszählung in den Wahllokalen zu kontrollieren. Hierbei wurden die Zahlen, die aus den Wahllokalengemeldet wurden, in den örtlichen Wahlkommissionen verändert und die veränderten Zahlen an die überörtlichen Wahlkommissionen weitergegeben. Den Wahlvorständen waren zuvor von Parteibeauftragten , Wahlprognosen' teils mündlich, teils schriftlich übergeben worden, wonach mit einer bestimmten Wahlbeteiligung, einem bestimmten Ja-Stimmen-Anteil und einer bestimmten Anzahl ungültiger Stimmen ,gerechnet' werde.

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