Archäologen der Moderne: Zum Verhältnis von Mythos und by Harald Krusekamp

By Harald Krusekamp

15 Die Versuche der Autoren, die Strukturen der "modernen" Vernunft zu rekonstruieren, fallen dementsprechend unterschiedlich aus: Wahrend fUr Hork heimer und Adorno in den Greueltaten der Faschisten die Genese der bereits im Mythos angelegten naturbeherrschenden, instrumentellen Vernunft ihren logischen historischen Zenit erreicht, ortet Habermas in der menschlichen Sprache ein Telos der Verstandigung (vgl. TKH 1: 387), das sich yom Mythos zur Moderne sukzessive zu einer kommunikativen Vernunft entfaltet, in der die mythischen Weltbilder ihrer totalisierenden Kraft beraubt werden. Die Wahrheit von propositionalen Aussagen und die Richtigkeit von Handlungen sind nicht langer durch ihre Einordnung in ein sakrosanktes kosmisches Welt bild vorab garantiert, sondern sie konnen sich allein durch einen intersub jektiv herbeigefiihrten Konsens bewahren: Das Sakrale wurde verfliissigt. Hingegen stimmen die frUbe und spate Kritische Theorie in ihrem Ver dikt iiber den Mythos iiberein: Mythos wird als eine shape der NaturverfalIen heit verstanden. "My then wie magische Riten Meinen die sich wiederholende Natur" (DA: 19). In den mythischen Weltbildern werden "Natur und Kultur ( . . . ) auf dieselbe Ebene projiziert" (TKH 1: 78). Diese -zunachst ganz vorder griindige -.Ubereinstimmung solI natiirlich nicht dariiber hinwegtauschen, daB im element viele Unterschiede festzustellen sind. Wahrend sich fiir Horkheimer und Adorno in den "archaischen Willkiirakten von Machtergreifung" (ND: 315) bereits die "Einheit von mythischer Natur und aufgeklarter Naturbeherrschung" (DA: five) abzeichnet, bilden My then fiir Habermas "innerhalb der uns zugangli chen kulturellen Uberlieferungen den scharfsten Kontrast zu dem Weltver standnis, das in modernen Gesellschaften herrscht" (TKH 1: 73).

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Exportmarketing

Der Absatzstil im AuBenhandel weist von jeher einen starker konservativen Charakter als derjenige des Inlandsgeschaftes auf. Das ist eine alte Tatsache. 1m Export wurde erst relativ spat zu einer kontinuierlichen, konsequent geplanten Marktbearbeitung und Marktpflege iibergegangen. Mit der nahezu permanenten Ausweitung des Ausfuhrvolumens und der Exportquote vieler Unternehmen fan den die Auslandsmarkte immer groBere Beachtung, und dies urn so mehr, als sich die Exportunternehmen, verglichen mit friiheren Zeiten, veranderten Bediirfnissen, Wiinschen und Problemen der ausHindischen Abnehmer gegeniibergestellt und einem intensiveren Wett bewerb auf fremden Absatzmarkten ausgesetzt sahen.

Internationale Handelsfinanzierung: Strategien für Auslandsinvestitionen und Handel

Herbert Keßler ist Prokurist und Abteilungsdirektor für Außenhandelsfinanzierung einer großen Landesbank und als Fachautor und Referent bekannt.

Wie beurteilt man eine Bilanz?

1 Das Recht des Jahresabschlusses. . . . . . eleven 1. 1 Die Bestandteile des Jahresabschlusses. . . . . . . . . . . 12 1. 1. 1 Die Bilanz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 1. 1. 2 Die Gewinn- und Verlustrechnung . . . . . . . . . . sixteen 1. 2 Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung .

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Der circulus vitiosus: My/hos und Aufklarung 46 Adorno zu solchcr Erkcnntnis gelangcn kann, odcr ob solche Erkenntnis nicht schlicht Potemkinsche Dorfer errichtel. Wenn jedoch die Subjekte die Naturgesetzlichkeit der kapitalistischen Gesellschaft nicht durchschauen, also auch nieht andern konnen, so muS diese Naturgesetzlichkeit sich selbst iiberwindens4: Beelzebub soli den Teufel austreiben. An dieser Problematik wird deutlich: Wer den Individuen vollige OhnMacht attestiert, erteilt der Geschichte den Dauerauftrag, so fortzufahren wie bisher, bis - um es mit Weber zu sagen - "der letzte Zentner fossilen Brennstoffs vergliiht ist" (Weber 1920: 203).

Der melancholische Blick impliziert eine Verschlingung von rezeptions- und prOOuktionsasthetischer Haltung. Wird nun "der Gegenstand unterm Blick der Melancholie allegorisch, laBt sie das Leben von ihm abflieBen, bleibt er als toter, doch in Ewigkeit gesicherter zuruck, so liegt er vor dem Allegoriker, auf Gnade und Ungnade ihm iiberliefyrt. Das heiBt: eine Bedeutung, einen Sinn auszustrahlen, ist er von nun an ganz unfiihig; an Bedeutung kommt ibm das zu, was der Allegoriker ibm verleiht. ) In seiner Hand wird das Ding zu etwas anderem, er redet dadurch von etwas anderem und es wird ihm ein Schliissel zum Bereiche verborgenen Wissens, als dessen Emblem er es verehrt" (Benjamin 1982: 161).

II. Der circulus viliosus: Mylhos und Aufkliirung 43 entleert und ubcrpersonlich (vgl. GS 1: 355). "Indem sie sich als sinnvoll gibt" ist sic "eine des Scheines, und der Schein an ihr ist geschichtlich produziert. (... ) In diesem geschichtlichen Phanomen des Scheines" kehrt Older Charakter des Mythischen seiber" wieder (GS 1: 364). So wie alle My then das Moment des Scheines enthalten, ist der Schein (dem hier Lukacs' zweite Natur cntspricht) selbst mythischer Art46. Weder hebt der Schein den Mythos auf, noch ist er dessen Epiphanomen.

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